Starkbiersaison - Münchens 5.Jahreszeit


Die Starkbierzeit wird in München als die 5.Jahreszeit bezeichnet. Die großen Starkbierveranstaltungen in den verschiedenen Brauereikellern und -festsälen finden in diesem Jahr vom 27.Februar bis zum 5.April 2020 statt.

Zu verdanken haben wir dieses Ereignis der Fastenzeit, die nach katholischem Glauben von Aschermittwoch bis Ostern dauert. Besonders streng wurde in den Klöstern gefastet. Um diese Zeit des Darbens ein wenig zu erleichtern, kamen vor einigen Jahrhunderten die Paulaner-Mönche von der Au auf die Idee, ein besonders gehaltvolles und nahrhaftes Bier zu brauen - das Starkbier eben. Es soll anfangs noch nicht so gut geschmeckt haben. Den guten Geschmack hat erst Bruder Barnabas hinbekommen, ein Brauerssohn, der 1174 ins das Kloster eingetreten ist. Von dem kräftigen Bier wurden gewaltige Mengen konsumiert, denn das Trinken des Fastenbiers galt nicht als Sünde: "Flüssiges bricht das Fasten nicht". Ab 1780 wurde der Klostertrunk dann mit kurfürstlicher Erlaubnis auch an Dritte ausgeschenkt. Das "St.Vater-Bier" der Mönche wurde im Volksmund schon bald "Salvator" genannt. Beim ersten festaktartigen Salvatorabstich im Jahre 1780 hat Mönch Barnabas Kurfürst Karl Theodor den ersten Humpen Salvator mit den Worten "Salve pater patriae" (Heil dir Landesvater) überreicht. An diesem Brauch hat sich nichts geändert, wenn auch statt dem Kurfürst heute dem bayerischen Ministerpräsidenten die Ehre der ersten Salvator-Maß zuteil wird.

Auch wenn man das mit dem Fasten heute nicht mehr so genau nimmt, ist der Starkbierausschank in dieser Zeit zur Tradition geworden. Das Starkbier hat einen höheren Stammwürze-Gehalt als üblich (mindestens 18%), was an der goldgelben Farbe erkennbar ist. Auch der Alkoholgehalt ist mit ca.7,5% höher (sogenannter Doppelbock); das normale Münchner Bier vom Fass hat nur ca.3,5% Alkoholgehalt.

Alle großen Münchner Brauereien brauen ihr eigenes Starkbier, wobei die Namen alle auf "-ator" enden und so fast ein bisschen heilig klingen: Das Starkbier der Augustinerbrauerei heißt Maximator, das der Löwenbraurei Triumphator, das der Spatenbrauerei Optimator, das von Hacker-Pschorr Animator. Am bekanntesten aber ist das Original - der Salvator der Paulanerbrauerei.

Im Paulanerkeller (früher Salvatorkeller) auf dem Nockherberg findet alljährlich auch das größte Spektakel der Starkbiersaison statt: Das berühmt-berüchtigte Politiker-Derbleck'n. In einer deftigen Fastenpredigt wird die Politprominenz abgekanzelt und in einem Singspiel werden bekannte bayerische und bundesdeutsche Politiker durch Doubles parodiert und kräftig derbleckt (durch den Kakao gezogen). Der besondere Reiz dabei ist, dass die meisten der derbleckten Prominenten persönlich anwesend sind. In diesem Jahr ist das Ereignis am 11.März. Der Eintritt ist allerdings nur geladenen Großkopferten vorbehalten. Man kann sich aber das Ganze auch im heimischen Pantoffelkino anschauern - das Bayerische Fernsehen überträgt live und bringt ein paar Tage später eine ausführliche Aufzeichnung.

Den Starkbierausschank beginnen und beenden die Brauereien zu unterschiedlichen Zeiten:

Die Starkbierveranstaltungen im Augustinerkeller beginnen in diesem Jahr bereits am 27.Februar im Lagerkeller mit fetziger Musik, weiter jeden Donnerstag, Freitag und Samstag. Am 7.März, 21.März, 28.März und 4.April (letzte Veranstaltung) kann man zudem auch im großen Festsaal feiern. Starkbierfeste im Löwenbräukeller mit Musik und Darbietungen vom 6. bis 28.März, erstes Fest am 6.März, weiter jeden Donnerstag, Freitag und Samstag im großen Festsaal ab 18 Uhr. Starkbierausschank im Paulanerkeller auf dem Nockherberg gibt es dann, nachdem das Politiker-Derbleck'n für die geladene Prominenz vorbei ist, für gewöhnlich Sterbliche täglich vom 13.März. bis 5.April. Geöffnet Montag-Freitag von 14 - 23 Uhr und Samstag/Sonntag von 11 - 23 Uhr.

Wer in der Zeit vom 27.Februar bis 5.April keine Möglichkeit hat, die Starkbierzeit in München mitzuerleben, kann getröstet werden. Zum einen gibt es noch den Maibock, zum anderen haben die Mönche vom Kloster Andechs das Privileg, das ganze Jahr über Starkbier brauen und auszuschenken zu dürfen. Der bedeutende Wallfahrtsort wird auch heute noch von hundertausenden Menschen pro Jahr aufgesucht, wobei die heutigen Wallfahrer mehr des Bieres wegen kommen. Besonders beliebt ist der dunkle Andechser Doppel-Bock, der selbst g'standene Mannsbilder vom Stangerl haut. Aber wenn man schon dort ist, sollte man vorher doch noch einen Blick in die prächtige Klosterkirche werfen, die als eine der schönsten Kirchen des Bayerischen Barock gilt.


Text © Rolf Gross für "München Erleben"